Schaflogik, die verstehe, wer will

Plan A und B ging nicht, also nahm ich Plan C

Bei einem Tiersitting-Auftrag hatte ich Schafe zu hüten. Diese weideten rund ums Haus. An manchen Tagen ließ ich die Schafe in den Vorgarten zum Rasenmähen. Das hatte zwei Gründe:

  • Es war schön einfach für mich.
  • Der Schlüssel zur Garage, in der der Rasenmäher stand, war abgebrochen und ich kam da nicht mehr ran.

Also gingen wir auch dieses Mal zusammen in den Vorgarten. Die Schafe warteten gespannt, bis ich das Tor geöffnet hatte, und neun Schafe gingen mutig in die weite Welt. Ich war ja dabei, von daher gingen auch die Angsthasen oder anders gesagt Angstschafe mit.

Sie fingen an zu grasen und ich war froh, dass sie das für mich erledigten.

Das Haus liegt auf einem Berg und somit war die Hofeinfahrt entsprechend steil. 15 – 20 % Steigung. Unten an der Einfahrt war eine Schranke angebracht. Dort lehnte ich an dem Balken und schaute den Schafen beim Grasen zu und genoss die Sonne.

Nun meinten die Schafe, auf der anderen Seite der Schranke sei das Gras grüner und schmecke viel besser, und schwupp waren alle unter dem Schrankenbalken hindurch. Das machte nichts, denn das war die Tage zuvor auch schon so gewesen. Die Schafe hörten normalerweise aufs Wort, deshalb machte ich mir erst einmal keine Gedanken darüber und genoss weiter die Sonne.

Bis ich sah, dass sie sich langsam immer weiter den Berg nach unten vortasteten, um sich das Grün am Straßenrand schmecken zu lassen.

Der Weg war sehr schmal und so stand ein paar auf der rechten Seite, ein paar auf der linken Seite und fraßen Gras.

Ich rief sie zurück, aber sie schauten mich nur kurz an. Wenn ich einen Schritt auf sie zuging, empfanden sie es als Einladung, weiter herunterzugehen. Und das direkt an der Weide mit den Böcken. Ich hoffte, die hatten heute keine Lust aufeinander.

Bisher hatten sie aufs Kommando gehört, aber heute? War Vollmond?

Keine Ahnung, zumindest gingen sie weiter runter – statt den Berg wieder rauf.

Gut, so ging es nicht – Plan B muss her 

Ich rannte den Berg hoch, in Gummistiefeln wohlgemerkt, kam oben an, suchte nach einem Schlüssel für den Raum, in dem die Leckerlis für die Schafe standen. Ich hätte viel eher ein Sauerstoffzelt benötigt. In Bergen rennen – also wirklich, das fährt man doch Motorrad oder läuft Ski, aber da rennt man doch nicht, und ich schon gar nicht.

Ah, der Schlüssel und hin zur Tür. Jetzt musste es schnell gehen, bevor die Schafe den ganzen Berg herunterrannten und womöglich noch unten in der Gaststätte einkehrten. Mein Kopfkino stellte sich das gerade vor und ich musste grinsen. Schlüssel ins Schloss und umdrehen – ah, nein, der klemmte. Ruhe, Ruhe, atmen, atmen … ganz langsam, und siehe da, die Tür ging auf.

Leckerlis in den kleinen Eimer und den Berg wieder heruntergerannt. Auch nicht viel angenehmer. Vor allem hatte meine rechte Socke beschlossen, sich von meinem Fuß zu trennen und rutschte unangenehm vom Fuß runter.

Japsend kam ich bei den Schafen an. Tatsächlich waren sie weiter heruntergegangen. Ich schüttelte den Behälter, die Leckerlis machten großen Lärm, und die Schafe? Eines hatte mich angeschaut, alle anderen grasten weiter und tasteten sich weiter den Berg runter.

Das klappte doch immer, normalerweise rannten die mich fast um, wenn ich damit kam. Wahrscheinlich hörten sie das nicht, weil ich so am japsen war.

Gut, so ging es nicht. Plan C muss her 

Zwei Schafe waren schon recht weit unten und es wunderte mich, dass es gerade die größten Angstschafe waren. Zum Glück, denn an die anderen kam ich irgendwie vorbei, um sie dann von unten nach oben zu treiben.

Ich also langsam, leise und in einer Schildkrötengeschwindigkeit zwischen den Schafen den Berg runter. Links und rechts sah ich nur die Hinterteile der Schafe. Flach atmen, nur keinen falschen Schritt oder ein Geräusch verursachen.

Geschafft. Sieben Schafe über mir, zwei Schafe unten. Gut, das ging. Ich trieb die sieben Schafe den Berg hoch, naja, zumindest war das mein Plan. Die zwei würden schon hinterherkommen. Doch die Schafe hatten einen anderen Plan, die meinten, sie müssten zu den zweien gehen. 

Also: Große Herde geht zu der kleinen Herde. Sieben bewegten sich, statt nur zwei. Schaflogik, die verstehe, wer will.

Ich redete auf die sieben gut ein und erklärte, dass die zwei schon mitkommen würden. Also rauf mit euch. Nichts als treue Augen, die mich ansahen und versuchten, an mir vorbeizukommen.

Ich wurde dann doch etwas energischer in der Stimme und siehe da – es waren wohl norddeutsche Schafe, die mögen klare Ansagen und kein “Drumherum Gerede”.

Die sieben gingen also den Berg hoch, ich einen Schritt zur Seite und die zwei konnten sich schnell wieder der Herde anschließen. Wir gingen gemeinsam den Berg hoch und wieder ins Gehege, ich schloss das Tor und gab ihnen die Leckerlis.

Die nächsten Tage gingen wir wieder in den Vorgarten, doch diesmal war ich vorbereitet. Die Leckerlis hatte ich gleich mitgenommen und ich sorgte dafür, dass sie nur bis zur Schranke kamen. So bekam ich den Rasen im Vorgarten gut gemäht. Klar wurden auch einige Blumen gefressen, aber hey, ein wenig Schwund ist überall.

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