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Freitagnacht auf den Azoren

Freitagnacht auf den Azoren 12 Grad, zwei Koffer, ein Rucksack und eine Frage ans Universum  Ein ganz normaler Freitagabend auf den Azoren, der mit der Frage ans Universum endete, ob noch andere Menschen so verpeilt sind wie ich. Manchmal frage ich mich das wirklich. Aber der Reihe nach. In meinem Appartement ohne Heizung und bei 12 Grad hatte ich mich mit zwei Decken, einer Wärmflasche und voll angekleidet in meinem Bett bequem gemacht. Der Sturm war so heftig, dass der Wind sogar durch die Ritzen am Fenster wehen konnte und die Gardinen im Raum sich bewegten. Das nur so viel zur Dämmung und dem Traum, im Winter im Süden zu sein. Mein Laptop auf dem Schoß, um mich nach neuen Tiersitting-Aufträgen umzusehen. Wurde Zeit, denn in drei Wochen wusste ich nicht, wo ich übernachten würde. Ich fand auch ein paar Angebote, schrieb meine Bewerbungen und drückte mir selbst die Daumen, diese Tiersitting-Aufträge zu erhalten. Na, dachte ich, vielleicht sollte ich eine neue Plattform ausprobieren. Die war schnell gefunden und so schrieb ich mich ein. Natürlich wurde sofort der Jahresbeitrag fällig und dafür wollte ich meine neue Kreditkarte nutzen.Ach je, ich musste aus dem Bett raus, denn mein Portemonnaie war in der Küche. Bibbernd schnell in die Küche und schnell wieder unter meine Decke, Laptop auf dem Schoß, Geldbörse raus und … wo war denn meine Kreditkarte? Ich wühlte alle Fächer durch. Nichts. Ich leerte das ganze Portemonnaie. Nichts. Komisch. Mein Blick ging zu meinen zwei Koffern. Gut, das hieß wieder ins Kalte hinaus. Aber wenn ich das jetzt nicht klärte, dann würde ich die Nacht kein Auge zumachen. Also durchsuchte ich meine Koffer. Ah, Zahnpasta, super, die war mir am Morgen eh ausgegangen, also gleich rausgelegt. Und wozu war das noch im Koffer? Darum würde ich mich später kümmern. Ach, den Pullover hatte ich auch noch, den hatte ich ja ganz vergessen. Wie ich das zustande bringe, dass ich Dinge mit mir herumtrage und diese vergesse, und das bei zwei Koffern, kann ich mir nie erklären. Aber es ist halt so. Universum, wo finde ich meine Kreditkarte? Während ich alles durchsuchte und nun definitiv alles in Unordnung brachte, fiel mir auch auf, dass mein Reisepass fehlte. Nanu? Mein ganzes Leben hatte ich noch nie einen Pass oder eine Kreditkarte verloren. Ja, ich gebe zu, ganz zu Anfang, so Anfang der 1990iger Jahre, in den Jahren, in denen die Geräte noch nicht piepsten, hatte ich mal eine stecken lassen. Aber die hatte ich halt später wieder abgeholt. Aber so richtig verloren? Ich? Nein. Da stand ich nun mitten im Raum und blickte mich um. Mein Rucksack, prima, da war sicherlich alles drin. Ich fand ein Kabel. Wozu gehörte denn jetzt das Kabel? Gut, packen wir das Kabel zu den anderen. Würde sich schon klären. Weitersuchen, ahhhh der Reisepass, puh, aber keine Kreditkarte. Merkwürdig. Ich nahm noch einmal das Portemonnaie, um nachzusehen – nichts. Das konnte doch nicht sein.  Da hatte ich auch keine Idee mehr, wo ich sie finden konnte. Also packte ich alles wieder an den richtigen Ort und brachte die Zahnpasta ins Bad. Dann hatte die Sucherei zumindest einen Sinn. Melde ich mich ein anderes Mal auf der Plattform an. Ich ging zu Bett und bat das Universum um einen Hinweis, wo ich die Kreditkarte finden würde. Licht aus – dann kam das Bild. Sie zeigten mir, dass ich die Kreditkarte ins Portemonnaie gelegt hatte, aber sie zeigten nicht, dass ich sie wieder herausgenommen hatte.  Licht an und noch einmal das Portemonnaie durchsucht und dann … da saß sie, ganz friedlich in einem Fach im Portemonnaie. Ich musste so lachen und stellte einfach mal die Frage ans Universum: Gibt es noch mehr Menschen, die so verpeilt sind wie ich?

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Schaflogik, die verstehe, wer will

Schaflogik, die verstehe, wer will Plan A und B ging nicht, also nahm ich Plan C Bei einem Tiersitting-Auftrag hatte ich Schafe zu hüten. Diese weideten rund ums Haus. An manchen Tagen ließ ich die Schafe in den Vorgarten zum Rasenmähen. Das hatte zwei Gründe: Es war schön einfach für mich. Der Schlüssel zur Garage, in der der Rasenmäher stand, war abgebrochen und ich kam da nicht mehr ran. Also gingen wir auch dieses Mal zusammen in den Vorgarten. Die Schafe warteten gespannt, bis ich das Tor geöffnet hatte, und neun Schafe gingen mutig in die weite Welt. Ich war ja dabei, von daher gingen auch die Angsthasen oder anders gesagt Angstschafe mit. Sie fingen an zu grasen und ich war froh, dass sie das für mich erledigten. Das Haus liegt auf einem Berg und somit war die Hofeinfahrt entsprechend steil. 15 – 20 % Steigung. Unten an der Einfahrt war eine Schranke angebracht. Dort lehnte ich an dem Balken und schaute den Schafen beim Grasen zu und genoss die Sonne. Nun meinten die Schafe, auf der anderen Seite der Schranke sei das Gras grüner und schmecke viel besser, und schwupp waren alle unter dem Schrankenbalken hindurch. Das machte nichts, denn das war die Tage zuvor auch schon so gewesen. Die Schafe hörten normalerweise aufs Wort, deshalb machte ich mir erst einmal keine Gedanken darüber und genoss weiter die Sonne. Bis ich sah, dass sie sich langsam immer weiter den Berg nach unten vortasteten, um sich das Grün am Straßenrand schmecken zu lassen. Der Weg war sehr schmal und so stand ein paar auf der rechten Seite, ein paar auf der linken Seite und fraßen Gras. Ich rief sie zurück, aber sie schauten mich nur kurz an. Wenn ich einen Schritt auf sie zuging, empfanden sie es als Einladung, weiter herunterzugehen. Und das direkt an der Weide mit den Böcken. Ich hoffte, die hatten heute keine Lust aufeinander. Bisher hatten sie aufs Kommando gehört, aber heute? War Vollmond? Keine Ahnung, zumindest gingen sie weiter runter – statt den Berg wieder rauf. Gut, so ging es nicht – Plan B muss her  Ich rannte den Berg hoch, in Gummistiefeln wohlgemerkt, kam oben an, suchte nach einem Schlüssel für den Raum, in dem die Leckerlis für die Schafe standen. Ich hätte viel eher ein Sauerstoffzelt benötigt. In Bergen rennen – also wirklich, das fährt man doch Motorrad oder läuft Ski, aber da rennt man doch nicht, und ich schon gar nicht. Ah, der Schlüssel und hin zur Tür. Jetzt musste es schnell gehen, bevor die Schafe den ganzen Berg herunterrannten und womöglich noch unten in der Gaststätte einkehrten. Mein Kopfkino stellte sich das gerade vor und ich musste grinsen. Schlüssel ins Schloss und umdrehen – ah, nein, der klemmte. Ruhe, Ruhe, atmen, atmen … ganz langsam, und siehe da, die Tür ging auf. Leckerlis in den kleinen Eimer und den Berg wieder heruntergerannt. Auch nicht viel angenehmer. Vor allem hatte meine rechte Socke beschlossen, sich von meinem Fuß zu trennen und rutschte unangenehm vom Fuß runter. Japsend kam ich bei den Schafen an. Tatsächlich waren sie weiter heruntergegangen. Ich schüttelte den Behälter, die Leckerlis machten großen Lärm, und die Schafe? Eines hatte mich angeschaut, alle anderen grasten weiter und tasteten sich weiter den Berg runter. Das klappte doch immer, normalerweise rannten die mich fast um, wenn ich damit kam. Wahrscheinlich hörten sie das nicht, weil ich so am japsen war. Gut, so ging es nicht. Plan C muss her  Zwei Schafe waren schon recht weit unten und es wunderte mich, dass es gerade die größten Angstschafe waren. Zum Glück, denn an die anderen kam ich irgendwie vorbei, um sie dann von unten nach oben zu treiben. Ich also langsam, leise und in einer Schildkrötengeschwindigkeit zwischen den Schafen den Berg runter. Links und rechts sah ich nur die Hinterteile der Schafe. Flach atmen, nur keinen falschen Schritt oder ein Geräusch verursachen. Geschafft. Sieben Schafe über mir, zwei Schafe unten. Gut, das ging. Ich trieb die sieben Schafe den Berg hoch, naja, zumindest war das mein Plan. Die zwei würden schon hinterherkommen. Doch die Schafe hatten einen anderen Plan, die meinten, sie müssten zu den zweien gehen.  Also: Große Herde geht zu der kleinen Herde. Sieben bewegten sich, statt nur zwei. Schaflogik, die verstehe, wer will. Ich redete auf die sieben gut ein und erklärte, dass die zwei schon mitkommen würden. Also rauf mit euch. Nichts als treue Augen, die mich ansahen und versuchten, an mir vorbeizukommen. Ich wurde dann doch etwas energischer in der Stimme und siehe da – es waren wohl norddeutsche Schafe, die mögen klare Ansagen und kein “Drumherum Gerede”. Die sieben gingen also den Berg hoch, ich einen Schritt zur Seite und die zwei konnten sich schnell wieder der Herde anschließen. Wir gingen gemeinsam den Berg hoch und wieder ins Gehege, ich schloss das Tor und gab ihnen die Leckerlis. Die nächsten Tage gingen wir wieder in den Vorgarten, doch diesmal war ich vorbereitet. Die Leckerlis hatte ich gleich mitgenommen und ich sorgte dafür, dass sie nur bis zur Schranke kamen. So bekam ich den Rasen im Vorgarten gut gemäht. Klar wurden auch einige Blumen gefressen, aber hey, ein wenig Schwund ist überall. Lust auf mehr Geschichten – dann hier klicken

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Der beste Motorradausflug zur nächsten Parkbucht

Der beste Motorradausflug zur nächsten Parkbucht Eine Parkbucht, ein Schmetterling, ein schwarzer Tiger und die Erkenntnis Ich befand mich mittlerweile auf dem Weg nach Korsika. Vor mir lag eine wundervolle Woche auf einer Insel, die für uns Biker wie geschaffen sein soll. Von Livorno in Italien nahm ich die Fähre nach Bastia auf Korsika. Innerhalb von fünf Stunden war ich da. Und tatsächlich, es eröffnete sich eine Insel, die so schön ist, dass sie in Worten nicht zu beschreiben ist. Geplant war eine Woche voller Touren. Das Wetter war stimmig, die Straßen waren gut zu fahren, ich war happy. Aber wie es so ist: Da hast du einen Plan und schwupp, kommt das Leben um die Ecke und wirft alles durcheinander. So auch diesmal, aber der Reihe nach: Als ich von der Fähre fuhr, wurde ich von herrlichen 20 Grad empfangen, genau richtig für mich als Bikerin. Ich machte mich auf den Weg zu meiner Unterkunft, die sich 30 km nördlich von Bastia, kurz vor Santa Severa, befand. Schön an einer Küstenstraße entlang, wie sie im Bilderbuch zu finden ist. In dieser Gegend fährt weder ein Zug, noch gibt es einen Bus. Macht nichts, ich hatte ja mein Motorrad. Von meinen Vermietern wurde ich herzlich empfangen und ich muss sagen, nach zweieinhalb Jahren, in denen ich in zahlreichen Unterkünften übernachtete, habe ich noch nie eine solche saubere und zugleich behagliche Unterkunft vorgefunden. Ein kleines Apartment mit einer kleinen Terrasse und dem Blick aufs Meer. Es dauerte nicht lange, da waren auch schon die Katzen der Nachbarn da, um mich zu inspizieren. Man muss ja wissen, wer in die Nachbarschaft einzieht. Unter anderem ein schwarzer Tiger, der mich sah und ab dem Zeitpunkt nicht mehr von meiner Seite wich. Selbst beim Spaziergang ging er mit. Mir wurde vom Vermieter versichert, dass die Katzen ein Zuhause haben und versorgt werden. Sie halten sich halt gerne hier auf. Erste Handlung: Auspacken, rauf auf die Liege und den Ausblick genießen. Auf der anderen Liege machte es sich der schwarze Tiger bequem. Sonne und dieser Ausblick in guter Gesellschaft brachten mir eine tiefe innere Ruhe. Ich freute mich schon auf den Sonnenaufgang am nächsten Morgen. Als ich am nächsten Tag bei Sonnenaufgang aufstand, war der schwarze Tiger wieder da. Wir genossen zu zweit das Lichtspiel am Himmel und im Meer. Ich erkundigte mich noch einmal, ob für die Versorgung der Katzen gesorgt sei. Alles bestens. Nun hieß es, für meine eigene Versorgung zu sorgen. Auf nach Bastia, um ein paar Lebensmittel einzukaufen. Wie schön kann Einkaufen sein, wenn der Weg kurvenreich an der Küste entlanggeht und du weißt, du musst den Weg auch noch zurück. Das nenne ich ein Einkaufsvergnügen. Als ich zurückkam, saß der schwarze Tiger vor der Tür, um mich zu begrüßen. Den nächsten Tag wollte ich die Küste weiter in den Norden hochfahren. Nach der Arbeit schnell umgezogen, kurzer Abschied vom schwarzen Tiger und rauf aufs Motorrad. Mit einem breiten Grinsen im Gesicht fuhr ich los. Nach etwa einer halben Stunde Fahrt passierte es. Mein Motorrad ging aus und sprang auch nicht mehr an. Natürlich mitten in der Kurve, wennschon, dennschon. Das Grinsen im Gesicht erstarb. Zum Glück hielt ein Pärchen an und half mir, das Motorrad auf die kleine Parkbucht zu schieben. Da stand sie nun, mein geliebtes Motorrad, und ich geschockt davor. In Italien war ich noch extra in einer Werkstatt gewesen und bat um einen Ölwechsel und ein Durchchecken, ob noch alles in Ordnung ist, was auch erledigt wurde. Aber warum sprang mein Motorrad nicht mehr an? Und dann noch hier, mitten in der Pampa, wo es nicht einmal ein Café gab? Ich rief den ADAC an und bat um Hilfe. Die wurde mir zugesichert. In zwei Stunden sei jemand da. Wenn nicht, solle ich noch einmal anrufen. Zwei Stunden? Hier? Na, zumindest hatte ich eine Parkbucht mit Meerblick. Davon hatte ich nur wenig. Denn in den zwei Stunden sind viele Auto- und Motorradfahrer bei mir gewesen, um sich zu erkundigen, ob es mir gut ginge. Einige fuhren erst vorbei, drehten bei der nächsten Möglichkeit um, um mir ihre Hilfe anzubieten. Zwei Stunden später und noch kein Abschleppdienst in Sicht. Das half nichts, noch einmal beim ADAC angerufen. Oh, ich sah, dass auch nicht mehr viel Akku auf meinem Handy vorhanden war. In drei Stunden sei jemand da und wenn nicht, solle ich wieder anrufen. In drei Stunden? Hier in der Pampa? Dann ist es dunkel. Wenn mich hier jemand überfällt, was dann? Wer übernimmt denn dann die Verantwortung? Wer findet mich? Und mein Akku vom Handy hat nicht mehr viel Saft. Wie soll ich zurückrufen? Fünf Stunden insgesamt auf einen Abschleppdienst warten. Ich war entsetzt und gab alles, um meinem Entsetzen Luft zu machen. Laut schrie ich alles raus, was sich in mir gestaut hatte. Es war so ungerecht, ich war so wütend und ich hatte Angst. Ich fühlte mich auf einmal ganz alleine auf dieser Welt. Diese Welt, die sich gegen mich verschworen hatte. Was hatte ich übersehen, was falsch gemacht, warum passiert mir das? Da bin ich auf einer fantastischen Insel und muss auf den Abschleppdienst warten, statt zu fahren. Während ich die Parkbucht wütend auf und ab stampfte, kamen natürlich noch mehr Auto- oder Motorradfahrer, um sich zu erkundigen, ob sie mir helfen könnten. Ich hielt kurz inne, um die Wut nicht an anderen auszulassen, bedankte mich und fuhr mit meinem Auf-und-ab-stampfen fort, um meiner Wut und Angst freien Lauf zu lassen. Nach einiger Zeit war ich müde vom Herumstampfen. Ich nahm meinen Seitenkoffer ab, um zumindest sitzend die Aussicht zu genießen. Daraus wurde nur nichts, denn auf einmal kamen mir die Tränen. Ich heulte, als gäbe es kein Morgen mehr. Natürlich kamen auch noch einige Auto- und Motorradfahrer, die fragten, ob sie mir helfen könnten. Wie peinlich ist das denn, bitte schön? Tränenüberströmt bedankte ich mich. Ich konnte die Tränen einfach nicht stoppen, es musste raus. Was tat ich mir leid. Während ich so dasaß, vor mich hin heulte und jammerte, mit dem

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Der Moment, in dem es passierte

Der Moment, in dem es passierte Ein Fußballspiel, Kaffee und Kuchen, aber die Barhocker bleiben leer  Eine weitere Anekdote aus meinem Leben als Reise-Tiersitterin, diesmal von der Insel Gozo, einer Nachbarinsel von Malta. Malta hatte schon eine sehr schöne Energie für mich, aber auf Gozo war noch viel mehr zu spüren. Ich hatte viel davon gelesen, doch dass ich es selbst einmal erlebe, das hätte ich nicht gedacht. Aber lest selbst: In einem Sportlerheim auf Gozo gibt es sehr guten Kaffee und leckeren Kuchen, es lohnt sich also dort vorbei zu schauen. So habe auch ich den Weg dorthin gefunden und zum Glück noch an einem kleinen Tisch einen angenehmen Platz bekommen. Heute ist es voller als die Tage zuvor. Wahrscheinlich weil viele so wie ich der Auffassung sind, an einem stürmischen Sonntag Nachmittag ein wenig die Leckereien zu genießen. Ich beschließe, einfach nur zu schauen, meinen Kaffee und Kuchen zu genießen und abzuwarten, was passiert. Mein Tisch steht genau gegenüber von der Eingangstür. Links davon beginnt der Tresen. Als erstes ein Kuchenbuffet mit all den Leckereien, dann geht der Tresen über Eck und wird zu einer langgezogenen Bar. Vor dieser Bar stehen Barhocker, die heute von keinem Gast genutzt werden. Stattdessen stehen zwei Männer und eine Frau vor der Bar und unterhalten sich mit dem Chef des Sportlerheims. Zu meiner rechten Seite sitzen fünf Damen zusammen und spielen Karten. Sie unterhalten sich, lachen viel und schauen auch ab und zu konzentriert in ihr Kartenblatt. Manchmal ist es still an dem Tisch, was für alle angenehm entspannt wirkt. Gerade legen sie ihre Karten hin, denn eine Dame hat gewonnen. Eine Spielanalyse, so wie es Männer häufig nach einem Kartenspiel machen, fällt hier aus. Es wird gelacht und die Karten neu gemischt und ausgeteilt. Ein Paar kommt rein und sie entscheiden sich für den Tisch in der Mitte. Der Mann lässt der Frau den Vortritt und fragt nach ihren Wünschen. Sie nimmt Platz während er an den Tresen geht und bestellt. Wie selbstverständlich bringt er seiner Begleitung den Kaffee und Kuchen. Sie genießen schweigend und erst, als der Kuchen getilgt ist, beginnen sie, sich zu unterhalten. Sie lacht über etwas, was er sagt, und berührt dabei kurz seine Hand. Ein Junge in Fußballkleidung und einem Fußball unterm Arm kommt rein. Sichtlich stolz trägt er ein gelbes Trikot. Vielleicht hat seine Mannschaft gerade gewonnen und er hat das Tor dafür geschossen? Er ist bekannt, denn er wird von den Bedienungen herzlich begrüßt. Auch er sucht sich ein Stück Kuchen aus und geht wieder raus. In der einen Hand den Kuchen, in der anderen seinen Fußball. Links schräg vor mir sitzen drei Männer im trauten Schweigen zusammen und schauen zum Fernseher, der rechts oben in der Ecke hängt. Es scheint ein wichtiges Fußballspiel zu sein, das ohne Ton über den Bildschirm läuft. Direkt links neben mir sitzt ein deutsches Paar, das sich die Abendkarte geben lässt. Sie übersetzt ihm die Speisekarte und dabei trinken sie ein Wasser. Der Kleidung nach zu urteilen sind sie wandern gewesen. Die Bedienung geht von Tisch zu Tisch und schaut nach dem Rechten und fragt, ob wir noch einen Wunsch haben. Da die Küche erst in zwei Stunden wieder geöffnet hat, bestellt sich das deutsche Paar neben mir noch einen Kaffee. Halbzeit im Fußballspiel. Die Männer brechen ihr Schweigen und unterhalten sich leise und diskret. Die Frau vom Tresen beginnt zwischen dem Tresen und den Damen, die rechts von mir Karten spielen, mehrmals an mir vorbei zu flanieren. Die Herren am Tresen sind in einem angeregten Gespräch vertieft. Der Chef hat sich mittlerweile seiner Arbeit gewidmet. Obwohl er ein mürrisches Gesicht macht, spricht er mit seinen Mitarbeitern und Gästen sehr freundlich und ruhig. Er bereitet mit sichtlicher Sorgfalt jeden Kaffee zu. Eine Mitarbeiterin beginnt den Raum zu fegen und eine andere wischt hinterm Tresen den Boden. Ein Mitarbeiter geht raus, in der rechten Hand eine Zigarette, die andere Hand wühlt in seiner Hosentasche nach seinem Feuerzeug, was er auch findet. Noch im Rausgehen zündet er sich seine Zigarette an. Als er zurückkommt, riecht er nach Tabak und feuchter Luft. Er wischt sich über das nasse Haar – draußen hat es angefangen zu regnen. Tatsächlich höre ich es jetzt auch: das sanfte Trommeln auf dem Dach. Vier jugendliche Männer kommen rein und wählen einen Tisch zu meiner rechten Seite, direkt unter dem Fernseher. Sie holen alle ihr Handy aus der Tasche und setzen sich. Einer von ihnen holt die Getränke vom Tresen. Kurz darauf kommt der Fußballjunge wieder herein, diesmal ohne Ball. Er schüttelt das Wasser aus seinen Haaren und setzt sich zu den vier Jugendlichen. Sofort wird er ins Gespräch einbezogen. Eine der Kartenspielerinnen steht auf und bestellt eine weitere Runde Getränke. Sie wartet geduldig am Tresen und trägt dann das Tablett mit einer Selbstverständlichkeit zu ihrer Spielrunde zurück. Mir wird bewusst, wie viele Menschen in diesem Raum sind und ihn mit Leben füllen. Draußen pfeift der Wind durch die schmale Gasse. Ein Windstoß lässt die Eingangstür kurz klappern. Der Regen wird stärker. Durch das beschlagene Fenster sehe ich verschwommene Silhouetten von Menschen, die eilig vorbeihuschen. Niemand im Café scheint es eilig zu haben, zu gehen. Und ich? Ich bin mitten drin und fühle mich wohl. So als würde ich auf dieser Insel leben und dazugehören und nicht als Reisende nur einige Zeit hier verbringen. Ich lehne mich entspannt zurück und plötzlich passiert es. Das, wovon ich so viel gelesen, aber selbst noch nie erlebt habe und mir nie so richtig vorstellen konnte. Die Konturen verschwimmen leicht und dann – ich sehe sie! Die Energien in diesem Raum, lebendig, fließend, überall. Sie fließen wie ein leichter Nebel zwischen all diesen Menschen, verbinden sie, erschaffen diesen einen, einzigartigen Moment. Wahnsinn. Lust auf mehr Geschichten? Dann hier klicken

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Zorro macht ein Tänzchen

Zorro macht ein Tänzchen Eine Krafttier-Geschichte über Musik, Bewegung und Lebensfreude In einem fernen Land, in der afrikanischen Savanne, gibt es Gegenden, in denen es so aussieht, als würde es nie regnen. Es gibt dort endlose Grasebenen und vereinzelt findet man Akazienbäume. Viel Schatten gibt es nicht. Und obwohl die Erde sehr trocken und rissig und das Gras eher gelb statt grün ist, leben hier dennoch einige Tiere. Sie haben sich an die heißen Temperaturen gewöhnt und können damit gut umgehen. Zorro, ein junges Steppenzebra, gehörte zu diesen Tieren. Er lebte einst mit seiner Familie in einer großen Herde in der afrikanischen Savanne. So zogen eines Nachmittags dunkle Wolken am Himmel auf. Seit Stunden roch es schon nach Regen und die Tiere warteten geduldig auf das ersehnte Wasser. Als die ersten Tropfen fielen, jubelten alle Tiere in der Savanne. Aber Zorro stand ganz still und lauschte. Plik-plik-plak … plik-plik-plak … Die Regentropfen fielen auf den Boden, auf Steine oder füllten die Pfützen auf. Da war doch … das hörte sich an wie … Zorro schloss die Augen und hörte den Rhythmus der Regentropfen. Plik-plik-plak, tipp-tapp-tipp, plop-plop-plak … Seine Hufe begannen wie von selbst, im Takt zu wippen. Dann bewegte er sich immer mehr zur Regenmusik, bis er richtig tanzte – wild und fröhlich. RUMS! Zorro tanzte so begeistert rückwärts, dass er direkt in einen Warzenschwein-Papa hineinpurzelte. „Hey, was soll das denn?“, grunzte der sehr empört. „Entschuldigung“, rief Zorro und tanzte weiter in – PLATSCH! – eine große Schlammpfütze hinein. Schlammspritzer flogen in alle Richtungen und landeten ausgerechnet auf einer Gruppe von Antilopen. „Zorro!“, schimpften sie. „Hör auf mit diesem verrückten Gehüpfe.“ Aber Zorro war so verzaubert von der Regenmusik, dass er gar nicht richtig hinhörte. Er tanzte weiter und weiter, bis er sich – KRACH! – mit seinen Beinen in einem dornigen Busch verhedderte. „Hilfe!“, rief er und zappelte so wild, dass der ganze Busch wackelte. Ein paar Vögel flogen erschrocken davon und kreischten empört. „Jetzt reicht es“, grummelte Zorros Vater. „Zorro, was ist nur in dich gefahren? Du benimmst dich wie ein Verrückter.“ „Aber Papa, hörst du nicht die Musik?“ Zorro versuchte, sich weiter aus dem Busch zu befreien. „Welche Musik? Ich sehe nur, wie du alle Tiere mit deinem wilden Gehopse verrückt machst.“ Tatsächlich schauten alle Tiere ziemlich genervt.Der Warzenschwein-Papa rieb sich den Kopf, die Antilopen putzten sich den Schlamm aus dem Fell, und die Vögel schimpften von oben herab. „Können wir nicht mal in Ruhe den Regen genießen?“, meckerte eine alte Schildkröte. Zorro wurde ganz traurig. Vielleicht war er wirklich verrückt geworden? Da kam die alte, weise Steppenzebra-Stute Oma Trude näher und half Zorro aus dem Busch. „Du hast recht, Zorro“, flüsterte sie. „Da ist wirklich Musik. Ich höre sie auch.“ „Wirklich?“ „Oh ja. Musik und Tanz können wunderbare Dinge in uns wecken. Es macht uns so viel Freude, dass wir nur noch lachen wollen. Du musst nur aufpassen, wo du tanzt.“ Sie zwinkerte ihm zu und sagte lauter, so dass alle es hören konnten: „Zeig uns deinen Regentanz noch einmal, Zorro. Aber diesmal … vielleicht etwas vorsichtiger? „ Zorro atmete tief durch und begann wieder zu tanzen. Diesmal achtete er darauf, nicht rückwärts zu laufen oder in Büsche zu stolpern. Seine Bewegungen zur Regenmusik waren so fröhlich und ansteckend, dass zunächst seine kleine Schwester Kila kicherte: „Das sieht ja lustig aus“, und selbst ein paar Schritte probierte. Der Warzenschwein-Papa, der Zorro erst noch böse angeschaut hatte, begann plötzlich, mit dem Schwanz zu wackeln. „Das … das macht ja tatsächlich Spaß“, grunzte er überrascht. Eine Antilope sprang elegant zur Musik der Tropfen. „Oh, das ist viel schöner, als nur normal herumzustehen.“ Sogar die meckernde Schildkröte bewegte langsam ihren Kopf im Rhythmus. „Na gut … ein bisschen wippen geht wohl schon …“ Bald tanzte fast alle Tiere der Savanne zur Regenmusik. Jeder fand seine eigene Art und passte auf, keine anderen umzurennen, auf die Pfoten oder Hufe zu treten oder wie Zorro im Dornenbusch zu landen. Als der Regen aufhörte, waren alle fröhlich und entspannt. „Danke, Zorro“, lachte der Warzenschwein-Papa. „Am Anfang dachte ich, du wärst verrückt geworden. Aber du hast uns gezeigt, wie viel Spaß Tanzen macht.“ „Und das nächste Mal“, grinste Oma Trude, „tanzen wir alle zusammen – aber bitte ohne Zusammenstöße.“ Alle lachten noch, als der Regen längst vorbei war. Die Wolken waren verschwunden und die Sonne kam wieder heraus. So gingen die Tiere wieder nach Hause und warteten entspannt auf die nächste Regenzeit, um wieder ein Tänzchen zu wagen. Lust auf mehr Geschichten? – Dann hier klicken

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Bunte Schätze

Bunte Schätze Eine Krafttier-Geschichte über ein farbenfrohes Leben An einem kleinen Bach, der sich durch ein kleines Gebirge inmitten eines Waldes schlängelte, lebte einst die Libelle Xia. Ihre Flügel schimmerten in den schönsten Farben. Wenn die Sonne auf dem Wasser tanzte, leuchteten ihre Flügel mal in einem Smaragdgrün, mal in einem tiefen Blau. Wenn die Sonne am Abend langsam Platz für den Mond machte, dann sahen ihre Flügel sogar so aus, als wären sie aus purem Gold. Stundenlang konnte Xia über das Wasser gleiten. Sie liebte es, ihren Bach und seine Bewohner von oben zu betrachten. So sah sie jeden Tag Fritz, die Elster, Hugo, den Biber, Cora, das Reh und noch viele weitere Bewohner, die an und in dem Bach lebten. Fritz, die Elster, war ein sehr ordentlicher Sammler. Jeden Tag suchte er nach glänzenden Dingen: alten Münzen, Kronkorken, glitzernden Steinchen und silbernen Knöpfen. Diese legte er säuberlich in sein Nest. Er hatte ein eigenes System um seine Schätze zu sortieren. Alles hatte seinen Platz, und egal wann Besucher kamen, sie fanden sein Nest stets sauber und ordentlich vor. Eines Tages flog Xia näher heran und beobachtete Fritz bei seiner Arbeit.„Hallo Fritz“, rief sie freundlich. „Was sammelst du denn heute? „ Fritz schaute auf. „Oh, hallo Xia. Ich sammle wie immer meine Schätze. Hier, schau mal. “ Stolz zeigte er eine alte Münze. „Ist die nicht schön glänzend? „ „Ja“, sagte Xia, „aber ist das nicht ein bisschen … langweilig? Immer nur die gleichen silbernen und grauen Sachen? “ Fritz schaute verwirrt. „Langweilig? Aber so macht man das doch. Alle Elstern sammeln glänzende Sachen. Das war schon immer so.“ Xia schwirrte nachdenklich um Fritz herum. „Aber warum machst du nicht mal etwas anderes? Etwas … Bunteres?“ „Buntes sammeln? “Fritz schüttelte den Kopf. „Das macht man doch nicht. Was sollen denn die anderen Elstern denken? „ Xia lächelte. „Fritz, darf ich dir etwas zeigen? „ Fritz ließ sich zögerlich darauf ein. Da er von Natur aus sehr neugierig war, flog er mit Xia mit. Sie flogen zu einer Stelle am Bach, wo besonders viele schöne Sachen lagen: leuchtend rote und blaue Vogelfedern, gelbe Blütenblätter und sogar ein rosafarbener Stein, der seine Farbe durch das Wasser bekommen hatte. „Schau mal“, sagte Xia, „sind diese Sachen nicht auch wunderschön? “ Fritz betrachtete die bunten Gegenstände mit großen Augen. „Ja … ja, das sind sie wirklich. Aber…“ Er zögerte. „Ich traue mich nicht. Das ist so anders.“ „Weißt du“, begann Xia, „meine Großmutter sagte oft zu mir, ich solle mein Leben mit Farben schmücken. Einfach etwas anders machen als am Tag zuvor. Etwas ausprobieren, was bunt und fröhlich ist.“ „Bunt und fröhlich?“, fragte Fritz neugierig. „Ja. Stell dir vor, wie aufregend dein Nest aussehen könnte mit all diesen wunderschönen, bunten Schätzen.“ Fritz schaute noch einmal auf die rote Feder. Sie war wirklich wunderschön …„Na gut“, sagte er schließlich und fasste sich ein Herz, „ich probiere es einmal aus.“ Vorsichtig hob er die rote Feder auf. Sie fühlte sich weich an. Aber dann bekam er Angst, weil er nicht wusste, wie die anderen Elstern reagieren würden. „Ich … ich verstecke sie erst mal unter meinen anderen Schätzen“, flüsterte er, „falls ich Besuch bekomme.“ Xia kicherte. „Fritz, du musst dich nicht verstecken.“ Aber Fritz war schon dabei, die schöne rote Feder unter seinen grauen Kronkorken zu vergraben. Am nächsten Tag suchte Fritz wie gewohnt weiter nach Schätzen. Doch ihm fielen immer mehr bunte Dinge auf. Er fand orange und grüne Blätter und violette und gelbe Blütenblätter. Er war auf einmal so aufgeregt, dass er einfach ALLES sammelte, was bunt war. Einen blauen Bonbonpapier-Fetzen, einen roten Socken (der von einem Spaziergänger liegen gelassen wurde), ein gelbes Gänseblümchen, sogar ein grünes Stück Kaugummi, das jemand fallen gelassen hatte. „Fritz“, rief Xia amüsiert, „das Kaugummi ist doch kein Schatz.“ „Aber es ist grün“, rief Fritz begeistert und legte es zu seinen anderen bunten Sachen. Als die anderen Elstern zu Besuch kamen und sein Nest sahen, fingen sie erst mal an zu lachen. „Fritz sammelt einen alten Socken.“ „Und Kaugummi. Ihhh, das klebt ja.“ „Was ist das denn für ein komischer Schatz?“ Fritz wurde ganz rot unter seinem schwarzen Gefieder. Aber dann sah er Xia, die ihm ermutigend zunickte. „Wisst ihr was?“, sagte Fritz stolz, „mein Nest sieht aus wie ein Regenbogen. Und es macht mir Spaß.“ Die anderen Elstern schauten genauer hin. Tatsächlich – zwischen dem Kaugummi und dem Socken waren wunderschöne bunte Federn, Blätter, Blüten und funkelnde Steine. „Das … das sieht ja richtig schön aus“, staunte eine junge Elster. „Viel interessanter als unsere grauen Sachen.“ Bald hatte Fritz viele Freunde gefunden, und gemeinsam machten sie den ganzen Wald bunter und fröhlicher. „Danke, Xia“, sagte Fritz glücklich. „Du hattest recht – mein Leben ist jetzt viel interessanter.“ Xia lächelte. „Siehst du? Manchmal muss man sich nur trauen, etwas anderes zu machen. Dann wird alles viel bunter und schöner.“ Lust auf mehr Geschichten? Dann hier klicken

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Elara und das erste Nachtlicht

Elara und das erste Nachtlicht Eine Krafttier-Geschichte über den Mut, etwas zu beginnen In der weiten, warmen Savanne Afrikas, in der sich in der Mitte ein kleines Waldstück befand, lebte einst eine kleine junge Elefantendame mit ihren Eltern. Ihr Name war Elara. Sie hatte große, weiche Ohren, einen langen Rüssel und war zu allen Tieren sehr freundlich. Jeden Tag spielte sie mit den anderen Tieren und erlebte so manches Abenteuer. Doch nachts, wenn der Mond die Sonne ablöste und es sehr dunkel wurde, da hörte sie oft etwas, was sie sehr traurig stimmte. Leise Schluchzer und ängstliche Rufe kamen aus allen Ecken des kleinen Waldes. Die kleinen Äffchen weinten in ihren Baumhöhlen, die jungen Häschen zitterten in ihren Erdlöchern, und sogar die mutigen kleinen Mäuse piepsten ängstlich vor sich hin. Sie hatten alle Angst vor der Dunkelheit. Denn in der Savanne wurde es sehr dunkel – viel dunkler als woanders auf der Welt. „Wenn es doch nur nicht so stockfinster wäre“, dachte Elara traurig. „Dann könnten die Kleinen ruhig schlafen.“ Eines Abends, als der Mond sich hinter dicken Wolken versteckte und es noch dunkler wurde als gewöhnlich, saß Elara nachdenklich unter ihrem Lieblingsbaum. Ihre Eltern schliefen bereits. Weil niemand mehr wach war, um mit ihr zu spielen, grub sie mit ihrem Rüssel vor sich im Boden. Plötzlich bemerkte sie etwas Faszinierendes: Sie fand kleine, glitzernde Kristalle, die trotz der Dunkelheit leuchteten.„Wie schön“, dachte Elara. Lange schaute sie die Kristalle an, und da kam, wie aus dem Nichts, eine Idee: „Was wäre, wenn ich aus diesen Kristallen ein großes Licht für die Nacht für alle ängstlichen Tiere machen könnte?“Aber sofort meldete sich auch das leise, zweifelnde Stimmchen in ihr: „Ach, Elara, das funktioniert doch nie. Das ist viel zu verrückt!“ Nachdenklich lehnte sich Elara wieder an ihren Baum. Sie hörte wieder das leise Weinen der Tiere. Elara richtete sich auf und flüsterte zu sich selbst: „Ich muss etwas tun.“ Sie dachte an ihre Großmutter, die immer sagte: „Jede kleine Idee kann zu etwas Großem werden. Jede Kleinigkeit kann dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. “Trau dich, Elara“, flüsterte eine Stimme in ihr. Um die Eltern nicht zu wecken, machte sie leise weiter und grub weitere Kristalle aus dem Boden. „Hallo, ihr Schönen“, flüsterte sie zu den schimmernden Steinen. „Ich bin Elara. Könntet ihr mir vielleicht helfen?Die Kristalle begannen heller zu leuchten, als würden sie Elara verstehen und antworten.„Die kleinen Tiere in der Savanne haben Angst vor der Dunkelheit“, erklärte Elara. „Würdet ihr ihnen helfen und nachts ein wenig für sie leuchten? Nur so lange, bis sie eingeschlafen sind.“Die Kristalle leuchteten noch heller auf. Das bedeutete wohl „Ja“. Der erste Schritt war nun getan. Doch wie sollte sie die vielen kleinen Kristalle an einem Platz anbringen, so dass die kleinen Tiere das Licht sehen konnten?Elara dachte nach, schaute sich aufmerksam um und stellte sich immer wieder diese Frage: „Wie kann ich die vielen kleinen Kristalle an einem Platz anbringen?“ Ihr Lieblingsbaum ließ ein paar Blätter los. Langsam sanken sie Richtung Boden und Elara direkt vor ihrem Rüssel. Sie betrachtete die Blätter und plötzlich hatte sie die Idee. Sie saß bereits die ganze Zeit unter ihrer Lösung. „Danke, lieber Baum“, flüsterte Elara ihrem Lieblingsbaum zu. Der hatte sehr große und zudem noch durchsichtige Blätter. Sie sammelte mit ihrem Rüssel die Blätter ein und flocht sie zu einem runden Lampenschirm. In der Mitte machte sie ein Nest für die leuchtenden Kristalle. Besonders schön sah der Lampenschirm nicht aus, aber die Kristalle funkelten begeistert. Sie ließen sich von Elara in den Lampenschirm legen. Ihr Leuchten wurde noch stärker, so dass aus dem Lampenschirm nun ein Licht kam, das die Umgebung heller erscheinen ließ. Elara hängte ihr erstes Nachtlicht vorsichtig an einen Ast, genau in die Mitte des Waldes, mitten in der Savanne. Hier konnten alle kleinen Tiere es sehen.Nach einiger Zeit wurde es sehr ruhig um Elara.Die kleinen Äffchen kuschelten sich entspannt in ihre Baumhöhlen. Die jungen Häschen rollten sich beruhigt in ihren Erdlöchern zusammen. Und die mutigen kleinen Mäuse piepsten sich in den Schlaf. Das Licht der Kristalle leuchtete weiter über der ganzen Savanne, bis alle kleinen Tiere ruhig eingeschlafen waren. Von diesem Tag an war Elara eine große Heldin für alle kleinen und auch großen Tiere. Viele Tiere begannen nun, ihre eigenen Ideen mutig umzusetzen. So erfand eine Eule Gute-Nacht-Lieder, ein Käfer die Schlafblumen, und ein Fuchs ging von Haus zu Haus, um aufregende neue Abenteuergeschichten zu erzählen. Noch heute erzählen sich die Bewohner der Savanne, in der mitten drin ein kleiner Wald zu finden war, wie Elara das erste Nachtlicht erfunden hatte. Und die Kristalle? Die waren so stolz auf ihre wichtige Aufgabe, dass sie jeden Abend gerne ihr Licht für alle kleinen Tiere, die sich im Dunkeln fürchten, schenkten. Gute Nacht.   Lust auf mehr Geschichten? Dann hier klicken

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Die Kunst der Überzeugung

Die Kunst der Überzeugung Wie ein Vogel sich wie die Queen tragen lässt An einem schönen sonnigen Tag saß ich vor meinem PC und war am Arbeiten. Auf einmal hörte ich nur ein „Dong“. Irgendjemand oder etwas ist voll gegen die Fensterscheibe im Nachbarzimmer geflogen. Beim Nachsehen war ich überrascht, einen Vogel auf der Fensterbank – und zwar im Zimmer – vorzufinden. Nun denn, der Vogel hatte Schnappatmung und ich dachte nur: „Der Arme, dem muss extrem der Kopf dröhnen.“ Soll er sich erst einmal erholen, damit er klar im Kopf wird und seinen Körper durchchecken kann. Ein paar Minuten später habe ich noch einmal nachgesehen und siehe da, der Piepmatz schaute mich an. Er sah gut aus. Es schien mir, dass er das gut überstanden hatte. Wie nun den Vogel wieder aus der Wohnung bekommen? Warten?Die Terrassentür war auf. Ich zeigte ihm die Tür, ging sogar vor, um ihm den Weg nach draußen zu zeigen. Er blieb auf der Fensterbank sitzen und schaute mich weiterhin an.Das Fenster konnte ich nicht für ihn öffnen, denn es gab einen Mückenschutz, der fest angebracht war. Bis ich den entfernt hätte, da wäre er vor lauter Panik mit einem Herzinfarkt gestorben. Guter Rat ist teuer – was tun? Mir kam die Idee, ihn kurz und sanft in die richtige Richtung anzustupsen. Das erste, was mir in die Hände fiel, war eine Fliegenklatsche. Wer braucht denn so etwas? Okay, also versuchte ich, ihn in Richtung Terrassentür zu bewegen. Ich glaube, der Vogel hatte schon Bekanntschaft mit einer Fliegenklatsche gemacht. Er geriet in Panik. Naja, eine lila Fliegenklatsche sieht auch nicht besonders einladend aus. Also redete ich auf ihn ein, dass alles gut ist und er sich beruhigen könnte. Ich blieb stehen und wartete ab. Dann ging ich langsam näher und bat ihn, sich auf die Fliegenklatsche zu stellen. Mit einem Fragezeichen im Gesicht schaute mich der Vogel an. Dann wurde ich energischer und bat ihn noch einmal darum. Er solle sich nicht so anstellen. Manchmal habe ich für solche zögerlichen Aktionen einfach keine Geduld. Was soll ich sagen: ein norddeutscher Vogel! Und wie alle Norddeutschen liebt er die direkte Ansage. Er stieg doch glatt auf die Fliegenklatsche. So konnte ich ihn die fünf Schritte Richtung Terrassentür tragen. Der Vogel fand Gefallen daran und stand auf der Fliegenklatsche wie eine Queen. Ich hielt ihn raus und wünschte ihm einen guten Flug. Er schaute mich an, nickte und flog weg. Jetzt weiß ich, wofür Fliegenklatschen gut sind. Lust auf mehr Geschichten? Dann hier klicken

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Rumps, Miau und andere Nachtgeräusche

Rumps, Miau und andere Nachtgeräusche Drei Katzen, ein Sturm und eine unruhige Tiersitterin Ein ganz gewöhnlicher Tag in den Bergen ging zu Ende. Am Nachmittag begann es sich zuzuziehen, es kam ein wenig Wind auf und es roch nach Regen. Ich saß auf dem Bett und machte es mir gemütlich.Ein Kater lag schnurrend quer auf meinem Bett. Eine Katze saß direkt neben mir und putzte sich. Der dritte Kater war noch draußen. Rumps – der Kater guckte mich irritiert an. Die Katze verschwand flink unterm Bett. Einer der Fensterläden war vom Wind zugeschlagen worden. Das war laut.Rumps – nun war die andere Seite auch zu. „Na, das nenne ich mal dunkel“, dachte ich bei mir.Also Licht an, aufgestanden und Fensterläden wieder geöffnet. Beim Öffnen des Fensters bemerkte ich, wie heftig der Wind dagegen blies. Der Wind vom Nachmittag hatte sich in einen heftigen Sturm verwandelt. Ich rief in die Nacht nach meinem dritten Schützling. Kaum hatte ich den Namen ausgesprochen, sprang mir der schwarze Kater aus der schwarzen Nacht entgegen. Den hatte ich nicht kommen sehen. Schnurrend (oder lachend?) rannte er in die Küche. Die anderen folgten ihm. Nach einer Runde Fressen und ausgiebigem Streicheln machten wir es uns wieder bequem. Der schwarze Kater wollte raus.„Willst du wirklich?“„Miau.“„Das ist sehr stürmisch, bist du sicher?“„Miau.“„Na gut, dann raus mit dir.“Der schwarze Kater sprang raus und wurde sofort von der schwarzen Nacht verschluckt.„Mutig“, dachte ich. Ich setzte mich aufs Bett und nahm mein Buch zur Hand. Der Sturm legte noch an Geschwindigkeit zu. Es fing an zu regnen.Rumps – dicht gefolgt von noch einem Rumps. Die Fensterläden waren wieder zu. Die Katze huschte unterm Bett, der Kater guckte mich wieder irritiert an. Das Haus fing an zu stöhnen. Es knarrte. Erst ganz sanft, dann etwas heftiger. Das Bett wackelte. Ich ging zur Haustür. Der Wind drückte so heftig dagegen, dass es mir schwerfiel, sie zu öffnen. Es gelang. Ich rief nach dem Kater. Nichts. „Wo ist der schwarze Kater? Ist er in Sicherheit?“Für die Katzen dieses Hauses steht ein sicherer und komfortabler Unterschlupf zur Verfügung. Da können sie jederzeit rein. Trotzdem hatte ich diese Unruhe in mir. Ich ging in die Präsenz und versuchte, Kontakt zum schwarzen Kater aufzunehmen. Nichts. Wenn Tiere nicht wollen, dann wollen sie nicht. Das Haus knarrte und stöhnte noch lauter. Ich hörte, wie etwas durch den Garten flog und hart aufprallte.Unruhig ging ich ins Bett. Die Katze lag nun dicht neben mir. Der Kater kuschelte sich an meine andere Seite. Mit allen Sinnen hörte ich nach draußen. „War da ein Miau?“Ich ging noch einmal zur Haustür und rief hinaus. Nichts.„Bleibe im Vertrauen. Der schwarze Kater weiß, was er tut. Er ist in Sicherheit“, kam es mir in den Sinn. Nach einiger Zeit fiel ich in einen unruhigen Schlaf. Stets alle Sinne darauf gerichtet, ja kein „Miau“ zu verpassen. Das, was ich hörte, war der Sturm und das knarrende Haus. Früh am nächsten Morgen wachte ich auf. Der Sturm war noch dabei, alles zu geben. Es regnete.Ich machte die Fensterläden auf. Rief nach dem schwarzen Kater. Nichts.Wieder machte sich Unruhe in mir breit. „Bleibe im Vertrauen. Ihm geht es gut.“Die anderen bekamen ihr Futter. Wie zu erwarten, wollten sie nicht raus. Eine Plane fegte über die Straße. Doch nicht die von meinem Motorrad? Das Knarren und Stöhnen des Hauses hörte ich schon nicht mehr.Vom schwarzen Kater immer noch keine Spur. Ich ging ihn draußen suchen. Im Garten lagen die Gartenmöbel verstreut herum. Einige Äste schmückten den Garten. Meinem Motorrad ging es gut. Die Tür zum komfortablen Unterschlupf für die Katzen konnte ich nicht sofort öffnen. Der Schlüssel ließ sich nicht drehen. Der Wind flog mir um die Ohren. Die Haare standen mir zu Berge.Endlich ließ sich der Schlüssel drehen. Die Tür flog auf und mir kam ein verschlafener schwarzer Kater entgegen. Er streckte sich genussvoll und in aller Ruhe und ging wie selbstverständlich vor mir ins Haus. Nach seinem ausgiebigen Frühstück legte er sich auf seine Decke und schlief ein. Ist ja auch anstrengend so ein Sturm.  Lust auf mehr Geschichten? Dann hier klicken

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