Vorlesegeschichten

Zorro macht ein Tänzchen

Zorro macht ein Tänzchen Eine Krafttier-Geschichte über Musik, Bewegung und Lebensfreude In einem fernen Land, in der afrikanischen Savanne, gibt es Gegenden, in denen es so aussieht, als würde es nie regnen. Es gibt dort endlose Grasebenen und vereinzelt findet man Akazienbäume. Viel Schatten gibt es nicht. Und obwohl die Erde sehr trocken und rissig und das Gras eher gelb statt grün ist, leben hier dennoch einige Tiere. Sie haben sich an die heißen Temperaturen gewöhnt und können damit gut umgehen. Zorro, ein junges Steppenzebra, gehörte zu diesen Tieren. Er lebte einst mit seiner Familie in einer großen Herde in der afrikanischen Savanne. So zogen eines Nachmittags dunkle Wolken am Himmel auf. Seit Stunden roch es schon nach Regen und die Tiere warteten geduldig auf das ersehnte Wasser. Als die ersten Tropfen fielen, jubelten alle Tiere in der Savanne. Aber Zorro stand ganz still und lauschte. Plik-plik-plak … plik-plik-plak … Die Regentropfen fielen auf den Boden, auf Steine oder füllten die Pfützen auf. Da war doch … das hörte sich an wie … Zorro schloss die Augen und hörte den Rhythmus der Regentropfen. Plik-plik-plak, tipp-tapp-tipp, plop-plop-plak … Seine Hufe begannen wie von selbst, im Takt zu wippen. Dann bewegte er sich immer mehr zur Regenmusik, bis er richtig tanzte – wild und fröhlich. RUMS! Zorro tanzte so begeistert rückwärts, dass er direkt in einen Warzenschwein-Papa hineinpurzelte. „Hey, was soll das denn?“, grunzte der sehr empört. „Entschuldigung“, rief Zorro und tanzte weiter in – PLATSCH! – eine große Schlammpfütze hinein. Schlammspritzer flogen in alle Richtungen und landeten ausgerechnet auf einer Gruppe von Antilopen. „Zorro!“, schimpften sie. „Hör auf mit diesem verrückten Gehüpfe.“ Aber Zorro war so verzaubert von der Regenmusik, dass er gar nicht richtig hinhörte. Er tanzte weiter und weiter, bis er sich – KRACH! – mit seinen Beinen in einem dornigen Busch verhedderte. „Hilfe!“, rief er und zappelte so wild, dass der ganze Busch wackelte. Ein paar Vögel flogen erschrocken davon und kreischten empört. „Jetzt reicht es“, grummelte Zorros Vater. „Zorro, was ist nur in dich gefahren? Du benimmst dich wie ein Verrückter.“ „Aber Papa, hörst du nicht die Musik?“ Zorro versuchte, sich weiter aus dem Busch zu befreien. „Welche Musik? Ich sehe nur, wie du alle Tiere mit deinem wilden Gehopse verrückt machst.“ Tatsächlich schauten alle Tiere ziemlich genervt.Der Warzenschwein-Papa rieb sich den Kopf, die Antilopen putzten sich den Schlamm aus dem Fell, und die Vögel schimpften von oben herab. „Können wir nicht mal in Ruhe den Regen genießen?“, meckerte eine alte Schildkröte. Zorro wurde ganz traurig. Vielleicht war er wirklich verrückt geworden? Da kam die alte, weise Steppenzebra-Stute Oma Trude näher und half Zorro aus dem Busch. „Du hast recht, Zorro“, flüsterte sie. „Da ist wirklich Musik. Ich höre sie auch.“ „Wirklich?“ „Oh ja. Musik und Tanz können wunderbare Dinge in uns wecken. Es macht uns so viel Freude, dass wir nur noch lachen wollen. Du musst nur aufpassen, wo du tanzt.“ Sie zwinkerte ihm zu und sagte lauter, so dass alle es hören konnten: „Zeig uns deinen Regentanz noch einmal, Zorro. Aber diesmal … vielleicht etwas vorsichtiger? „ Zorro atmete tief durch und begann wieder zu tanzen. Diesmal achtete er darauf, nicht rückwärts zu laufen oder in Büsche zu stolpern. Seine Bewegungen zur Regenmusik waren so fröhlich und ansteckend, dass zunächst seine kleine Schwester Kila kicherte: „Das sieht ja lustig aus“, und selbst ein paar Schritte probierte. Der Warzenschwein-Papa, der Zorro erst noch böse angeschaut hatte, begann plötzlich, mit dem Schwanz zu wackeln. „Das … das macht ja tatsächlich Spaß“, grunzte er überrascht. Eine Antilope sprang elegant zur Musik der Tropfen. „Oh, das ist viel schöner, als nur normal herumzustehen.“ Sogar die meckernde Schildkröte bewegte langsam ihren Kopf im Rhythmus. „Na gut … ein bisschen wippen geht wohl schon …“ Bald tanzte fast alle Tiere der Savanne zur Regenmusik. Jeder fand seine eigene Art und passte auf, keine anderen umzurennen, auf die Pfoten oder Hufe zu treten oder wie Zorro im Dornenbusch zu landen. Als der Regen aufhörte, waren alle fröhlich und entspannt. „Danke, Zorro“, lachte der Warzenschwein-Papa. „Am Anfang dachte ich, du wärst verrückt geworden. Aber du hast uns gezeigt, wie viel Spaß Tanzen macht.“ „Und das nächste Mal“, grinste Oma Trude, „tanzen wir alle zusammen – aber bitte ohne Zusammenstöße.“ Alle lachten noch, als der Regen längst vorbei war. Die Wolken waren verschwunden und die Sonne kam wieder heraus. So gingen die Tiere wieder nach Hause und warteten entspannt auf die nächste Regenzeit, um wieder ein Tänzchen zu wagen. Lust auf mehr Geschichten? – Dann hier klicken

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Bunte Schätze

Bunte Schätze Eine Krafttier-Geschichte über ein farbenfrohes Leben An einem kleinen Bach, der sich durch ein kleines Gebirge inmitten eines Waldes schlängelte, lebte einst die Libelle Xia. Ihre Flügel schimmerten in den schönsten Farben. Wenn die Sonne auf dem Wasser tanzte, leuchteten ihre Flügel mal in einem Smaragdgrün, mal in einem tiefen Blau. Wenn die Sonne am Abend langsam Platz für den Mond machte, dann sahen ihre Flügel sogar so aus, als wären sie aus purem Gold. Stundenlang konnte Xia über das Wasser gleiten. Sie liebte es, ihren Bach und seine Bewohner von oben zu betrachten. So sah sie jeden Tag Fritz, die Elster, Hugo, den Biber, Cora, das Reh und noch viele weitere Bewohner, die an und in dem Bach lebten. Fritz, die Elster, war ein sehr ordentlicher Sammler. Jeden Tag suchte er nach glänzenden Dingen: alten Münzen, Kronkorken, glitzernden Steinchen und silbernen Knöpfen. Diese legte er säuberlich in sein Nest. Er hatte ein eigenes System um seine Schätze zu sortieren. Alles hatte seinen Platz, und egal wann Besucher kamen, sie fanden sein Nest stets sauber und ordentlich vor. Eines Tages flog Xia näher heran und beobachtete Fritz bei seiner Arbeit.„Hallo Fritz“, rief sie freundlich. „Was sammelst du denn heute? „ Fritz schaute auf. „Oh, hallo Xia. Ich sammle wie immer meine Schätze. Hier, schau mal. “ Stolz zeigte er eine alte Münze. „Ist die nicht schön glänzend? „ „Ja“, sagte Xia, „aber ist das nicht ein bisschen … langweilig? Immer nur die gleichen silbernen und grauen Sachen? “ Fritz schaute verwirrt. „Langweilig? Aber so macht man das doch. Alle Elstern sammeln glänzende Sachen. Das war schon immer so.“ Xia schwirrte nachdenklich um Fritz herum. „Aber warum machst du nicht mal etwas anderes? Etwas … Bunteres?“ „Buntes sammeln? “Fritz schüttelte den Kopf. „Das macht man doch nicht. Was sollen denn die anderen Elstern denken? „ Xia lächelte. „Fritz, darf ich dir etwas zeigen? „ Fritz ließ sich zögerlich darauf ein. Da er von Natur aus sehr neugierig war, flog er mit Xia mit. Sie flogen zu einer Stelle am Bach, wo besonders viele schöne Sachen lagen: leuchtend rote und blaue Vogelfedern, gelbe Blütenblätter und sogar ein rosafarbener Stein, der seine Farbe durch das Wasser bekommen hatte. „Schau mal“, sagte Xia, „sind diese Sachen nicht auch wunderschön? “ Fritz betrachtete die bunten Gegenstände mit großen Augen. „Ja … ja, das sind sie wirklich. Aber…“ Er zögerte. „Ich traue mich nicht. Das ist so anders.“ „Weißt du“, begann Xia, „meine Großmutter sagte oft zu mir, ich solle mein Leben mit Farben schmücken. Einfach etwas anders machen als am Tag zuvor. Etwas ausprobieren, was bunt und fröhlich ist.“ „Bunt und fröhlich?“, fragte Fritz neugierig. „Ja. Stell dir vor, wie aufregend dein Nest aussehen könnte mit all diesen wunderschönen, bunten Schätzen.“ Fritz schaute noch einmal auf die rote Feder. Sie war wirklich wunderschön …„Na gut“, sagte er schließlich und fasste sich ein Herz, „ich probiere es einmal aus.“ Vorsichtig hob er die rote Feder auf. Sie fühlte sich weich an. Aber dann bekam er Angst, weil er nicht wusste, wie die anderen Elstern reagieren würden. „Ich … ich verstecke sie erst mal unter meinen anderen Schätzen“, flüsterte er, „falls ich Besuch bekomme.“ Xia kicherte. „Fritz, du musst dich nicht verstecken.“ Aber Fritz war schon dabei, die schöne rote Feder unter seinen grauen Kronkorken zu vergraben. Am nächsten Tag suchte Fritz wie gewohnt weiter nach Schätzen. Doch ihm fielen immer mehr bunte Dinge auf. Er fand orange und grüne Blätter und violette und gelbe Blütenblätter. Er war auf einmal so aufgeregt, dass er einfach ALLES sammelte, was bunt war. Einen blauen Bonbonpapier-Fetzen, einen roten Socken (der von einem Spaziergänger liegen gelassen wurde), ein gelbes Gänseblümchen, sogar ein grünes Stück Kaugummi, das jemand fallen gelassen hatte. „Fritz“, rief Xia amüsiert, „das Kaugummi ist doch kein Schatz.“ „Aber es ist grün“, rief Fritz begeistert und legte es zu seinen anderen bunten Sachen. Als die anderen Elstern zu Besuch kamen und sein Nest sahen, fingen sie erst mal an zu lachen. „Fritz sammelt einen alten Socken.“ „Und Kaugummi. Ihhh, das klebt ja.“ „Was ist das denn für ein komischer Schatz?“ Fritz wurde ganz rot unter seinem schwarzen Gefieder. Aber dann sah er Xia, die ihm ermutigend zunickte. „Wisst ihr was?“, sagte Fritz stolz, „mein Nest sieht aus wie ein Regenbogen. Und es macht mir Spaß.“ Die anderen Elstern schauten genauer hin. Tatsächlich – zwischen dem Kaugummi und dem Socken waren wunderschöne bunte Federn, Blätter, Blüten und funkelnde Steine. „Das … das sieht ja richtig schön aus“, staunte eine junge Elster. „Viel interessanter als unsere grauen Sachen.“ Bald hatte Fritz viele Freunde gefunden, und gemeinsam machten sie den ganzen Wald bunter und fröhlicher. „Danke, Xia“, sagte Fritz glücklich. „Du hattest recht – mein Leben ist jetzt viel interessanter.“ Xia lächelte. „Siehst du? Manchmal muss man sich nur trauen, etwas anderes zu machen. Dann wird alles viel bunter und schöner.“ Lust auf mehr Geschichten? Dann hier klicken

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Elara und das erste Nachtlicht

Elara und das erste Nachtlicht Eine Krafttier-Geschichte über den Mut, etwas zu beginnen In der weiten, warmen Savanne Afrikas, in der sich in der Mitte ein kleines Waldstück befand, lebte einst eine kleine junge Elefantendame mit ihren Eltern. Ihr Name war Elara. Sie hatte große, weiche Ohren, einen langen Rüssel und war zu allen Tieren sehr freundlich. Jeden Tag spielte sie mit den anderen Tieren und erlebte so manches Abenteuer. Doch nachts, wenn der Mond die Sonne ablöste und es sehr dunkel wurde, da hörte sie oft etwas, was sie sehr traurig stimmte. Leise Schluchzer und ängstliche Rufe kamen aus allen Ecken des kleinen Waldes. Die kleinen Äffchen weinten in ihren Baumhöhlen, die jungen Häschen zitterten in ihren Erdlöchern, und sogar die mutigen kleinen Mäuse piepsten ängstlich vor sich hin. Sie hatten alle Angst vor der Dunkelheit. Denn in der Savanne wurde es sehr dunkel – viel dunkler als woanders auf der Welt. „Wenn es doch nur nicht so stockfinster wäre“, dachte Elara traurig. „Dann könnten die Kleinen ruhig schlafen.“ Eines Abends, als der Mond sich hinter dicken Wolken versteckte und es noch dunkler wurde als gewöhnlich, saß Elara nachdenklich unter ihrem Lieblingsbaum. Ihre Eltern schliefen bereits. Weil niemand mehr wach war, um mit ihr zu spielen, grub sie mit ihrem Rüssel vor sich im Boden. Plötzlich bemerkte sie etwas Faszinierendes: Sie fand kleine, glitzernde Kristalle, die trotz der Dunkelheit leuchteten.„Wie schön“, dachte Elara. Lange schaute sie die Kristalle an, und da kam, wie aus dem Nichts, eine Idee: „Was wäre, wenn ich aus diesen Kristallen ein großes Licht für die Nacht für alle ängstlichen Tiere machen könnte?“Aber sofort meldete sich auch das leise, zweifelnde Stimmchen in ihr: „Ach, Elara, das funktioniert doch nie. Das ist viel zu verrückt!“ Nachdenklich lehnte sich Elara wieder an ihren Baum. Sie hörte wieder das leise Weinen der Tiere. Elara richtete sich auf und flüsterte zu sich selbst: „Ich muss etwas tun.“ Sie dachte an ihre Großmutter, die immer sagte: „Jede kleine Idee kann zu etwas Großem werden. Jede Kleinigkeit kann dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. “Trau dich, Elara“, flüsterte eine Stimme in ihr. Um die Eltern nicht zu wecken, machte sie leise weiter und grub weitere Kristalle aus dem Boden. „Hallo, ihr Schönen“, flüsterte sie zu den schimmernden Steinen. „Ich bin Elara. Könntet ihr mir vielleicht helfen?Die Kristalle begannen heller zu leuchten, als würden sie Elara verstehen und antworten.„Die kleinen Tiere in der Savanne haben Angst vor der Dunkelheit“, erklärte Elara. „Würdet ihr ihnen helfen und nachts ein wenig für sie leuchten? Nur so lange, bis sie eingeschlafen sind.“Die Kristalle leuchteten noch heller auf. Das bedeutete wohl „Ja“. Der erste Schritt war nun getan. Doch wie sollte sie die vielen kleinen Kristalle an einem Platz anbringen, so dass die kleinen Tiere das Licht sehen konnten?Elara dachte nach, schaute sich aufmerksam um und stellte sich immer wieder diese Frage: „Wie kann ich die vielen kleinen Kristalle an einem Platz anbringen?“ Ihr Lieblingsbaum ließ ein paar Blätter los. Langsam sanken sie Richtung Boden und Elara direkt vor ihrem Rüssel. Sie betrachtete die Blätter und plötzlich hatte sie die Idee. Sie saß bereits die ganze Zeit unter ihrer Lösung. „Danke, lieber Baum“, flüsterte Elara ihrem Lieblingsbaum zu. Der hatte sehr große und zudem noch durchsichtige Blätter. Sie sammelte mit ihrem Rüssel die Blätter ein und flocht sie zu einem runden Lampenschirm. In der Mitte machte sie ein Nest für die leuchtenden Kristalle. Besonders schön sah der Lampenschirm nicht aus, aber die Kristalle funkelten begeistert. Sie ließen sich von Elara in den Lampenschirm legen. Ihr Leuchten wurde noch stärker, so dass aus dem Lampenschirm nun ein Licht kam, das die Umgebung heller erscheinen ließ. Elara hängte ihr erstes Nachtlicht vorsichtig an einen Ast, genau in die Mitte des Waldes, mitten in der Savanne. Hier konnten alle kleinen Tiere es sehen.Nach einiger Zeit wurde es sehr ruhig um Elara.Die kleinen Äffchen kuschelten sich entspannt in ihre Baumhöhlen. Die jungen Häschen rollten sich beruhigt in ihren Erdlöchern zusammen. Und die mutigen kleinen Mäuse piepsten sich in den Schlaf. Das Licht der Kristalle leuchtete weiter über der ganzen Savanne, bis alle kleinen Tiere ruhig eingeschlafen waren. Von diesem Tag an war Elara eine große Heldin für alle kleinen und auch großen Tiere. Viele Tiere begannen nun, ihre eigenen Ideen mutig umzusetzen. So erfand eine Eule Gute-Nacht-Lieder, ein Käfer die Schlafblumen, und ein Fuchs ging von Haus zu Haus, um aufregende neue Abenteuergeschichten zu erzählen. Noch heute erzählen sich die Bewohner der Savanne, in der mitten drin ein kleiner Wald zu finden war, wie Elara das erste Nachtlicht erfunden hatte. Und die Kristalle? Die waren so stolz auf ihre wichtige Aufgabe, dass sie jeden Abend gerne ihr Licht für alle kleinen Tiere, die sich im Dunkeln fürchten, schenkten. Gute Nacht.   Lust auf mehr Geschichten? Dann hier klicken

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