Elara und das erste Nachtlicht

Eine Krafttier-Geschichte über den Mut, etwas zu beginnen

In der weiten, warmen Savanne Afrikas, in der sich in der Mitte ein kleines Waldstück befand, lebte einst eine kleine junge Elefantendame mit ihren Eltern. Ihr Name war Elara. Sie hatte große, weiche Ohren, einen langen Rüssel und war zu allen Tieren sehr freundlich.

Jeden Tag spielte sie mit den anderen Tieren und erlebte so manches Abenteuer. Doch nachts, wenn der Mond die Sonne ablöste und es sehr dunkel wurde, da hörte sie oft etwas, was sie sehr traurig stimmte.

Leise Schluchzer und ängstliche Rufe kamen aus allen Ecken des kleinen Waldes. Die kleinen Äffchen weinten in ihren Baumhöhlen, die jungen Häschen zitterten in ihren Erdlöchern, und sogar die mutigen kleinen Mäuse piepsten ängstlich vor sich hin.

Sie hatten alle Angst vor der Dunkelheit. Denn in der Savanne wurde es sehr dunkel – viel dunkler als woanders auf der Welt.

„Wenn es doch nur nicht so stockfinster wäre“, dachte Elara traurig. „Dann könnten die Kleinen ruhig schlafen.“

Eines Abends, als der Mond sich hinter dicken Wolken versteckte und es noch dunkler wurde als gewöhnlich, saß Elara nachdenklich unter ihrem Lieblingsbaum. Ihre Eltern schliefen bereits.

Weil niemand mehr wach war, um mit ihr zu spielen, grub sie mit ihrem Rüssel vor sich im Boden.

Plötzlich bemerkte sie etwas Faszinierendes: Sie fand kleine, glitzernde Kristalle, die trotz der Dunkelheit leuchteten.
„Wie schön“, dachte Elara. Lange schaute sie die Kristalle an, und da kam, wie aus dem Nichts, eine Idee: „Was wäre, wenn ich aus diesen Kristallen ein großes Licht für die Nacht für alle ängstlichen Tiere machen könnte?“
Aber sofort meldete sich auch das leise, zweifelnde Stimmchen in ihr: „Ach, Elara, das funktioniert doch nie. Das ist viel zu verrückt!“

Nachdenklich lehnte sich Elara wieder an ihren Baum. Sie hörte wieder das leise Weinen der Tiere.

Elara richtete sich auf und flüsterte zu sich selbst: „Ich muss etwas tun.“

Sie dachte an ihre Großmutter, die immer sagte: „Jede kleine Idee kann zu etwas Großem werden. Jede Kleinigkeit kann dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

“Trau dich, Elara“, flüsterte eine Stimme in ihr.

Um die Eltern nicht zu wecken, machte sie leise weiter und grub weitere Kristalle aus dem Boden.

„Hallo, ihr Schönen“, flüsterte sie zu den schimmernden Steinen. „Ich bin Elara. Könntet ihr mir vielleicht helfen?
Die Kristalle begannen heller zu leuchten, als würden sie Elara verstehen und antworten.
„Die kleinen Tiere in der Savanne haben Angst vor der Dunkelheit“, erklärte Elara. „Würdet ihr ihnen helfen und nachts ein wenig für sie leuchten? Nur so lange, bis sie eingeschlafen sind.“
Die Kristalle leuchteten noch heller auf. Das bedeutete wohl „Ja“.

Der erste Schritt war nun getan. Doch wie sollte sie die vielen kleinen Kristalle an einem Platz anbringen, so dass die kleinen Tiere das Licht sehen konnten?
Elara dachte nach, schaute sich aufmerksam um und stellte sich immer wieder diese Frage: „Wie kann ich die vielen kleinen Kristalle an einem Platz anbringen?“

Ihr Lieblingsbaum ließ ein paar Blätter los. Langsam sanken sie Richtung Boden und Elara direkt vor ihrem Rüssel. Sie betrachtete die Blätter und plötzlich hatte sie die Idee. Sie saß bereits die ganze Zeit unter ihrer Lösung. „Danke, lieber Baum“, flüsterte Elara ihrem Lieblingsbaum zu. Der hatte sehr große und zudem noch durchsichtige Blätter. Sie sammelte mit ihrem Rüssel die Blätter ein und flocht sie zu einem runden Lampenschirm. In der Mitte machte sie ein Nest für die leuchtenden Kristalle.

Besonders schön sah der Lampenschirm nicht aus, aber die Kristalle funkelten begeistert. Sie ließen sich von Elara in den Lampenschirm legen. Ihr Leuchten wurde noch stärker, so dass aus dem Lampenschirm nun ein Licht kam, das die Umgebung heller erscheinen ließ.

Elara hängte ihr erstes Nachtlicht vorsichtig an einen Ast, genau in die Mitte des Waldes, mitten in der Savanne. Hier konnten alle kleinen Tiere es sehen.
Nach einiger Zeit wurde es sehr ruhig um Elara.
Die kleinen Äffchen kuschelten sich entspannt in ihre Baumhöhlen. Die jungen Häschen rollten sich beruhigt in ihren Erdlöchern zusammen. Und die mutigen kleinen Mäuse piepsten sich in den Schlaf.

Das Licht der Kristalle leuchtete weiter über der ganzen Savanne, bis alle kleinen Tiere ruhig eingeschlafen waren.

Von diesem Tag an war Elara eine große Heldin für alle kleinen und auch großen Tiere.

Viele Tiere begannen nun, ihre eigenen Ideen mutig umzusetzen. So erfand eine Eule Gute-Nacht-Lieder, ein Käfer die Schlafblumen, und ein Fuchs ging von Haus zu Haus, um aufregende neue Abenteuergeschichten zu erzählen.

Noch heute erzählen sich die Bewohner der Savanne, in der mitten drin ein kleiner Wald zu finden war, wie Elara das erste Nachtlicht erfunden hatte.

Und die Kristalle? Die waren so stolz auf ihre wichtige Aufgabe, dass sie jeden Abend gerne ihr Licht für alle kleinen Tiere, die sich im Dunkeln fürchten, schenkten.

Gute Nacht.

 

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